Manchmal frage ich mich, was passiert wäre, wenn ich letzten Jahr einfach spontan gewesen wäre und nicht so sehr europäisch. Wenn ich nicht brav mein Bafög zurückgezahlt hätte und mir die Sicherheit des deutschen Sozialsystems zu eigen gemacht hätte. Wenn ich einfach mein mühsam Erspartes genommen hätte und ein One-Way Ticket Richtung Asien gebucht hätte. Wo wäre ich jetzt? Und wäre ich glücklich? Hätte ich einen Neuanfang. Oder wäre ich auf der Suche nach dem Ziel, weil es nur eine Weg gäbe? Mein gezwungener Neuanfang hier - wie seltsam und doch vertraut.
Manchmal scheint es das davor nie gegeben zu haben. Manchmal scheine ich auch aber hier nur auf einer Durchgangsstation zu sein. Lohnt es sich dafür Güter anzusammeln in Wohnungseinrichtung zu investieren...wenn man doch noch nicht angekommen ist?
Wo ist man angekommen? Wo man ein schönes Heim hat? Einen sicheren Arbeitsplatz? Gute Freunde, Familie...usw. Oder ist es dort, wo man die Luft einatmet und genau weiß, dass es DIE Luft ist die man zum atmen braucht? Geht es immer so weiter?
Wo ist mein Platz?
Von den letzten Monaten gibt es keine Fotos, keine zusammenhängenden Erinnerungen...alles ist im Fluß. Die Stadt hat mich im Griff. Mitgerissen. Beim U-Bahnfahren ist es wichtig immer ein Buch dabei zu haben. Jeden Morgen begrüßt mich ein Zeuge Jehovas an der Straßenecke und wünscht mir einen schönen Tag. Freitags gibt es Leberkässemmel von Vinzenzmurr. Der Chef möchte seinen Früchtetee spätesten 08.30 Uhr an seinem Platz haben. Der Döner kostet 4 Euro und ist einfach nur schlecht. Und doch kitzelt es mich das Neue...das Unbekannte. All die Sachen die es zu entdecken gibt. All die Menschen, denen ich begegnen werde. All die Luft die ich atmen werden.
Vielleicht wird es mein Platz, aber nur vielleicht.
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1 Kommentar:
Ich wünsch dir alles Beste, liebes Mue! Knuddlige Umärmelungen, Ben
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